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Was ist systemisches Tiertraining?

Aktualisiert: vor 4 Tagen


Tiertraining bedeutet für viele Menschen zunächst: Der Hund soll Sitz, Platz oder Rückruf lernen, die Katze soll ein bestimmtes Verhalten nicht mehr zeigen. Doch gerade bei Verhaltensproblemen reicht es häufig nicht aus, nur am sichtbaren Verhalten des Tieres zu arbeiten.

Systemisches Tiertraining betrachtet deshalb nicht nur den Hund oder die Katze, sondern das gesamte Zusammenleben: den Menschen, die Beziehung zum Tier, den Alltag, die Umgebung, vorhandene Stressfaktoren, Routinen und die Kommunikation miteinander.

Verhalten entsteht nicht im luftleeren Raum. Ein Hund, der bei Besuch aggressiv reagiert, oder eine Katze, die plötzlich unsauber wird, zeigt zunächst ein Verhalten, für das es Ursachen und Auslöser gibt. Genau diese Zusammenhänge möchte ich verstehen, bevor wir an einer Veränderung arbeiten.

Was bedeutet systemisches Tiertraining?

„Systemisch“ bedeutet, das Tier als Teil eines größeren Systems zu betrachten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • der Mensch und seine Reaktionen

  • andere Personen im Haushalt

  • weitere Tiere

  • Tagesabläufe und Routinen

  • Umgebung und räumliche Möglichkeiten

  • Stress und Erregungsniveau

  • Ressourcen und Rückzugsmöglichkeiten

  • Erfahrungen und Lerngeschichte des Tieres

  • Körpersprache und Kommunikation

  • Erwartungen und Verhalten des Menschen

Das sichtbare Problem ist deshalb nicht automatisch die eigentliche Ursache.

Wenn ein Hund an der Leine nach vorne geht, kann Unsicherheit dahinterstecken, Frustration, hohe Erregung, schlechte Erfahrungen oder auch ein Verhalten, das sich über längere Zeit etabliert hat.

Wenn eine Katze außerhalb des Katzenklos uriniert, können gesundheitliche Ursachen, Stress, Ressourcenprobleme, Konflikte mit anderen Katzen oder Veränderungen im Alltag eine Rolle spielen.

Systemisches Tiertraining fragt deshalb nicht nur: „Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“ – sondern zuerst: „Warum entsteht dieses Verhalten überhaupt?“

Wie funktioniert systemisches Hundetraining?

Hunde orientieren sich stark an ihrer sozialen Umgebung. Sie achten unter anderem auf Körpersprache, Bewegungen, Stimme, Verhalten und emotionale Signale des Menschen.

Deshalb spielt beim systemischen Hundetraining auch der Mensch eine zentrale Rolle.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Problem des Hundes automatisch durch den Menschen verursacht wird oder der Hund seinen Menschen einfach „spiegelt“. Verhalten ist wesentlich komplexer.

Genetik, Erfahrungen, Lernverhalten, Gesundheit, Umwelt, Stress und individuelle Persönlichkeit können ebenso eine Rolle spielen.

Der Mensch ist aber ein wichtiger Teil des Systems – und damit auch ein wichtiger Teil der Lösung.

Im Training schauen wir deshalb unter anderem:

  • Wie reagiert der Mensch in schwierigen Situationen?

  • Ist für den Hund erkennbar, wer Verantwortung übernimmt?

  • Sind Regeln und Grenzen verständlich und verlässlich?

  • Wie hoch ist das Erregungsniveau?

  • Wie wird auf unerwünschtes Verhalten reagiert?

  • Welche Situationen überfordern den Hund?

  • Welche Verhaltensweisen wurden möglicherweise unbeabsichtigt verstärkt?

  • Was braucht der Hund, um sich wieder sicherer orientieren zu können?

Führung bedeutet für mich dabei nicht Härte oder Dominanz.

Führung bedeutet Verantwortung, Orientierung, Verlässlichkeit und klare Kommunikation.

Welche Methoden werden im systemischen Hundetraining eingesetzt?

Systemisches Tiertraining ist keine einzelne Trainingsmethode.

Je nach Hund, Situation und Ursache können unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein. Dazu gehören beispielsweise:

  • genaue Verhaltensbeobachtung

  • Analyse von Auslösern und Situationen

  • Veränderung von Routinen

  • Stressmanagement

  • Anpassung der Umgebung

  • klare Grenzen und verlässliche Strukturen

  • Arbeit an der Kommunikation zwischen Mensch und Hund

  • Management schwieriger Situationen

  • Aufbau alternativer Verhaltensweisen

  • Desensibilisierung und Gegenkonditionierung

  • gezieltes Lerntraining

Klassische Lernprinzipien und systemisches Denken schließen sich also nicht aus.

Der Unterschied liegt vor allem darin, dass ich nicht nur frage, wie ein bestimmtes Verhalten verändert werden kann, sondern warum es entstanden ist und welche Faktoren es aufrechterhalten.

Das Ziel ist keine schnelle Korrektur einzelner Symptome, sondern eine Veränderung, die auch im Alltag funktioniert.

Welche Vorteile hat systemisches Hundetraining?

Ein systemischer Ansatz kann besonders hilfreich sein, wenn Probleme nicht nur in einer einzelnen Trainingssituation auftreten, sondern mit dem Alltag und dem Zusammenleben verbunden sind.

Der Vorteil liegt darin, dass wir das Verhalten nicht isoliert betrachten.

Statt beispielsweise ausschließlich das Bellen, Ziehen oder Knurren zu korrigieren, untersuchen wir auch die Situationen davor:

Was löst das Verhalten aus? Wie reagiert der Mensch? Wie hoch ist der Stress? Welche Erfahrungen hat der Hund gemacht? Was verändert sich, wenn wir die Rahmenbedingungen verändern?

Dadurch entsteht ein individueller Trainingsansatz statt einer Standardlösung.

Das ist besonders bei länger bestehenden Verhaltensproblemen wichtig, denn Verhalten, das sich über Monate oder Jahre entwickelt und gefestigt hat, benötigt häufig auch Zeit, um sich nachhaltig zu verändern.

Welche Rolle spielt der Mensch im systemischen Tiertraining?

Der Mensch ist kein außenstehender Beobachter.

Er ist Teil des täglichen Lebens seines Tieres und beeinflusst Situationen durch sein Verhalten, seine Körpersprache, seine Entscheidungen, sein Timing und seine Reaktionen.

Deshalb gehört Selbstreflexion für mich zum Tiertraining dazu.

Zum Beispiel:

  • Wie verhalte ich mich, wenn mein Hund angespannt ist?

  • Werde ich selbst hektischer?

  • Übernehme ich Verantwortung oder überlasse ich meinem Hund Entscheidungen, die ihn überfordern?

  • Sind meine Grenzen heute anders als morgen?

  • Reagiere ich erst, wenn eine Situation bereits eskaliert?

  • Verstehe ich die Körpersprache meines Tieres richtig?

Wenn ich im systemischen Zusammenhang von Haltung oder Ausstrahlung spreche, meine ich damit keine mystische „Energie“.

Gemeint sind konkrete Dinge, die ein Tier wahrnehmen kann: Körperspannung, Bewegung, Stimme, Atmung, Aufmerksamkeit, Verhalten, Routinen, Timing und emotionale Signale.

Gerade Hunde reagieren sehr sensibel auf solche Informationen.

Verändert der Mensch sein Verhalten, verändert sich damit auch ein Teil des Systems, in dem das Tier lebt.

Systemisches Tiertraining bei Katzen

Auch Katzen reagieren sensibel auf Veränderungen ihrer Umgebung und ihres sozialen Umfelds.

Unsauberkeit, Rückzug, Aggression, plötzlich veränderte Aktivität oder Konflikte zwischen mehreren Katzen sollten deshalb niemals vorschnell als Trotz oder Fehlverhalten interpretiert werden.

Bei Katzen spielen unter anderem folgende Faktoren eine wichtige Rolle:

  • gesundheitliche Veränderungen

  • Stress

  • verfügbare Ressourcen

  • Anzahl und Platzierung von Katzentoiletten

  • Rückzugs- und Ruhebereiche

  • Beziehungen zwischen mehreren Katzen

  • Veränderungen im Haushalt

  • Beschäftigung

  • soziale Interaktionen mit Menschen

  • individuelle Bedürfnisse der Katze

Besonders bei plötzlich auftretenden Verhaltensänderungen sollte zunächst auch eine tierärztliche Ursache ausgeschlossen werden.

Erst danach beziehungsweise parallel dazu können wir uns ansehen, welche Faktoren im Alltag oder im Zusammenleben das Verhalten beeinflussen.

Systemische Katzenberatung bedeutet für mich deshalb ebenfalls:

Nicht nur das Symptom betrachten, sondern verstehen, was sich für die Katze verändert hat und was sie benötigt.

Können Tiere unsere Gefühle wahrnehmen?

Hunde und Katzen nehmen wesentlich mehr von unserer Kommunikation wahr, als viele Menschen vermuten.

Dabei sollten wir allerdings vorsichtig sein, menschliche Gedanken oder komplexe Gefühle einfach auf Tiere zu übertragen.

Was wir beobachten können, ist, dass Tiere auf unterschiedliche menschliche Signale reagieren – beispielsweise auf Stimme, Gesichtsausdruck, Körpersprache, Bewegung oder Veränderungen im Verhalten.

Gerade im engen Zusammenleben entstehen dadurch gegenseitige Wechselwirkungen.

Das ist einer der Gründe, warum ich Verhalten niemals ausschließlich auf das Tier reduziere.

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist ein Teil der Verhaltensanalyse – aber nicht die einzige mögliche Ursache eines Problems.

Für welche Probleme eignet sich systemisches Tiertraining?

Der systemische Ansatz kann bei sehr unterschiedlichen Fragestellungen sinnvoll sein.

Bei Hunden beispielsweise:

  • Leinenaggression und Hundebegegnungen

  • Aggression gegenüber Menschen

  • Angst und Unsicherheit

  • territoriales Verhalten

  • starkes Bellen

  • Probleme mit Besuch

  • fehlende Orientierung am Menschen

  • hohe Erregung im Alltag

  • Leinenführigkeit

  • Schwierigkeiten beim Alleinbleiben

  • plötzlich verändertes Verhalten


Bei Katzen beispielsweise:

  • Unsauberkeit

  • Markieren

  • Konflikte im Mehrkatzenhaushalt

  • Aggression

  • Angst und Rückzug

  • Probleme bei der Zusammenführung

  • Stress

  • plötzlich verändertes Verhalten

Ein Beispiel aus dem Alltag

Ein Hund bellt und bedroht regelmäßig Besucher.

Wir könnten versuchen, ausschließlich das Bellen zu unterbrechen.

Systemisch betrachtet stellen wir jedoch zusätzliche Fragen:

Wann beginnt die Anspannung? Was macht der Mensch in diesem Moment? Wie wird Besuch empfangen? Welche Aufgabe glaubt der Hund übernehmen zu müssen? Gibt es einen sicheren Rückzugsort? Wie reagiert der Mensch auf erste Stresssignale? Welche Erfahrungen hat der Hund bereits mit Besuch gemacht?

Vielleicht liegt der entscheidende Trainingsschritt deshalb nicht erst beim Bellen.

Vielleicht müssen wir bereits verändern, wie die gesamte Situation aufgebaut und geführt wird.

Dasselbe gilt bei Katzen.

Wird eine Katze plötzlich unsauber, reicht es nicht, ihr Verhalten verhindern zu wollen. Zuerst müssen mögliche medizinische Ursachen abgeklärt werden. Danach betrachten wir unter anderem Katzenklos, Ressourcen, andere Katzen, Veränderungen im Haushalt, Stress und Tagesabläufe.

Erst wenn wir verstehen, was hinter einem Verhalten steckt, können wir sinnvoll entscheiden, wo eine Veränderung ansetzen sollte.

Ist systemisches Tiertraining wissenschaftlich?

„Systemisches Tiertraining“ bezeichnet keinen einzelnen, wissenschaftlich einheitlich definierten Trainingsstandard.

Viele Bestandteile, die in einem systemischen Ansatz berücksichtigt werden, sind jedoch Gegenstand moderner Verhaltensforschung: Lernverhalten, Stress, Kommunikation, Körpersprache, Umweltfaktoren sowie die soziale Interaktion zwischen Mensch und Tier.

Für mich bedeutet systemisches Arbeiten deshalb nicht, wissenschaftliche Lerntheorien zu ersetzen.

Es bedeutet, sie in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

Ein Hund ist nicht nur sein Verhalten während einer Trainingsstunde.

Eine Katze ist nicht nur das Problem, wegen dem ihre Menschen Beratung suchen.

Entscheidend ist das Gesamtbild.

Systemisches Tiertraining in Wien und Niederösterreich

Ich biete systemisches Tiertraining für Hunde und Katzen unter anderem in Wien, Guntramsdorf, Mödling, Baden und Umgebung an.

Je nach Fragestellung findet die Beratung direkt dort statt, wo das Verhalten auftritt – beispielsweise zuhause oder im alltäglichen Umfeld des Hundes.

Zusätzlich sind Online-Hundetraining und Online-Katzenberatung möglich. Dadurch kann ich auch Menschen außerhalb meines direkten Einsatzgebietes unterstützen.

Gerade bei Katzen lassen sich viele Fragestellungen mithilfe eines ausführlichen Gesprächs sowie Videos und Fotos sehr gut analysieren.

Häufige Fragen zum systemischen Tiertraining

Was ist systemisches Tiertraining einfach erklärt?

Systemisches Tiertraining betrachtet Verhalten nicht isoliert. Neben dem Tier werden auch Mensch, Beziehung, Alltag, Umwelt, Stress, Erfahrungen und Kommunikation berücksichtigt. Ziel ist es, die Ursachen und Zusammenhänge eines Verhaltens zu verstehen und daraus passende Veränderungen für den Alltag abzuleiten.

Was ist der Unterschied zu klassischem Hundetraining?

Klassisches Training konzentriert sich häufig stärker auf das Erlernen oder Verändern konkreter Verhaltensweisen. Im systemischen Hundetraining wird zusätzlich untersucht, welche Rolle Alltag, Beziehung, Stress, Kommunikation und Verhalten des Menschen spielen. Beide Ansätze können miteinander kombiniert werden.

Muss beim systemischen Tiertraining immer der Mensch verändert werden?

Nein. Nicht jedes Verhaltensproblem entsteht durch den Menschen. Gesundheit, Genetik, Erfahrungen, Umwelt und individuelle Persönlichkeit spielen ebenfalls eine Rolle. Da der Mensch aber Teil des täglichen Umfelds ist, wird auch sein Verhalten in die Analyse einbezogen.

Funktioniert systemisches Hundetraining auch online?

Viele Fragestellungen lassen sich auch online bearbeiten. Videos aus dem Alltag können dabei sogar wertvolle Einblicke liefern. Bei bestimmten Problemen oder Situationen ist ein Termin vor Ort jedoch sinnvoller. Welche Form passt, hängt vom individuellen Fall ab.

Gibt es systemisches Tiertraining auch für Katzen?

Ja. Gerade bei Katzen ist es sinnvoll, Verhalten im Zusammenhang mit Umgebung, Ressourcen, Stress, anderen Katzen und dem menschlichen Alltag zu betrachten. Häufige Themen sind Unsauberkeit, Aggression, Rückzug und Konflikte im Mehrkatzenhaushalt.

Ist systemisches Tiertraining nachhaltig?

Nachhaltiges Training bedeutet für mich, nicht ausschließlich ein sichtbares Verhalten kurzfristig zu unterdrücken. Stattdessen sollen Ursachen, Auslöser und aufrechterhaltende Faktoren erkannt und verändert werden. Wie schnell sich Verhalten verändert, hängt jedoch vom Tier, der Ursache und davon ab, wie lange ein Verhalten bereits besteht.

Verhalten verstehen statt nur korrigieren

Systemisches Tiertraining bedeutet für mich, genauer hinzusehen.

Nicht jedes Verhalten ist ein Beziehungsproblem. Nicht jedes Problem lässt sich allein durch Training lösen. Und nicht jeder Hund oder jede Katze benötigt dieselbe Vorgehensweise.

Aber wenn wir Tier, Mensch, Beziehung, Umwelt und Alltag gemeinsam betrachten, erhalten wir häufig ein wesentlich vollständigeres Bild.

Genau dort setzt mein systemischer Mr.-Cat-Dogo-Ansatz an.

Du möchtest wissen, was hinter dem Verhalten deines Hundes oder deiner Katze steckt und welcher nächste Schritt sinnvoll ist?



 
 
 

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