Junghund hört nicht mehr: Wie du durch die Pubertät begleitest
Gestern kam dein junger Hund noch freudig auf Zuruf. Heute scheint jeder Geruch spannender zu sein als du. Vielleicht fragst du dich: Habe ich etwas falsch gemacht? Wenn ein Junghund nicht mehr hört, lohnt es sich, genauer hinzusehen – statt sofort strenger zu werden.
Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob dein Hund ein Signal kennt. Sondern auch: In welcher Situation soll er darauf reagieren, und was beschäftigt ihn gerade?
Pubertät beim Hund: Entwicklung ist kein persönlicher Angriff
In der Jugendphase verändern sich Hunde körperlich und in ihrem Verhalten. Die Umwelt kann stärker in den Vordergrund rücken, und Bekanntes klappt nicht mehr so zuverlässig. Beginn und Dauer unterscheiden sich; ein bestimmter Geburtstag erklärt deshalb nicht automatisch jede Veränderung.
Eine Studie von Asher und Kollegen aus dem Jahr 2020 fand bei untersuchten jungen Hunden eine vorübergehend geringere Reaktion auf Signale ihrer vertrauten Bezugsperson. Das ist ein Hinweis auf Veränderungen während der Adoleszenz – kein Beweis, dass jeder Junghund absichtlich Grenzen austestet oder dass seine Beziehung zum Menschen schlecht ist. [1]
1. Beschreibe die Situation statt deinen Hund zu bewerten
„Er hört überhaupt nicht mehr“ ist verständlich, aber als Ausgangspunkt fürs Training wenig genau. Mein Vorschlag: Notiere drei konkrete Situationen. Wo seid ihr? Was passiert unmittelbar davor? Was machst du? Und was tut dein Hund tatsächlich?
Aus „Er ignoriert mich“ wird zum Beispiel: „Im Wohnzimmer kommt er auf Zuruf. Auf der Wiese reagiert er nicht, sobald ein anderer Hund auftaucht.“ Diese Unterscheidung zeigt, wo du ansetzen kannst. Sie ist hilfreicher als das Etikett „stur“.
2. Mache bekannte Aufgaben vorübergehend leichter
Übe zunächst in einer ruhigen Umgebung mit wenig Ablenkung. Wähle kurze Einheiten und belohne Verhalten, das du häufiger sehen möchtest. Die Belohnung sollte für deinen Hund in diesem Moment tatsächlich attraktiv sein. Steigere die Schwierigkeit schrittweise, statt sofort dieselbe Leistung an jedem Ort zu erwarten. [2]
Ein möglicher Einstieg: Bitte deinen Hund in einer vertrauten, ruhigen Umgebung um ein gut bekanntes Signal. Gelingt es, belohne ihn und beende die kleine Einheit positiv. Erst wenn das wiederholt gut klappt, kommt eine etwas schwierigere Situation dazu. Das ist kein Rückschritt, sondern ein angepasster Trainingsaufbau.
3. Sichere den Rückruf ab, statt ihn ständig zu testen
Wenn dein Hund draußen nicht zuverlässig zurückkommt, braucht ihr vorerst einen sicheren Rahmen. Ein eingezäunter Bereich oder eine passend eingesetzte Schleppleine am gut sitzenden Geschirr kann das Training absichern. Lass dir die sichere Handhabung zeigen, wenn du damit noch nicht vertraut bist.
Beginne mit kurzer Entfernung und wenig Ablenkung. Belohne das Zurückkommen. Wiederhole das Rückrufsignal nicht pausenlos, wenn dein Hund gerade nicht reagieren kann, und bestrafe ihn nicht, wenn er schließlich bei dir ankommt. Distanz und Ablenkung werden erst nach und nach erhöht. Die Leine ist eine Sicherung, kein Mittel, den Hund zu dir zu rucken. [3]
4. Schau auf den ganzen Alltag
Ein Junghund braucht Möglichkeiten, seine Umwelt zu erkunden, sich angemessen zu bewegen und sinnvolle Beschäftigung zu erleben. Das heißt nicht, jeden freien Moment mit Programm zu füllen. Achte auch darauf, welche Situationen ihn aufregen oder frustrieren, und gestalte diese zunächst leichter. Anschreien oder körperliche Strafen können Unsicherheit verstärken. [4]
Für meine systemische Arbeit gehört deshalb auch der Mensch ins Bild: Welche Erwartungen hast du? Welche Abläufe könnt ihr zuverlässig umsetzen? Verwenden alle im Haushalt dieselben Signale? Dabei geht es nicht darum, dir die Schuld zu geben. Wir suchen die Stellen im gemeinsamen Alltag, die sich konkret verändern lassen.
Wenn du wissen möchtest, worauf du beim Beobachten achten kannst, lies auch meinen Beitrag zur Körpersprache: Kommunikation mit dem Hund: Körpersprache verstehen
5. Nicht alles ist „nur Pubertät“
Plötzliche oder ausgeprägte Verhaltensänderungen sollten nicht einfach als Jugendphase abgetan werden. Bei möglichem Schmerz, gesundheitlichen Auffälligkeiten oder stark verändertem Verhalten ist eine tierärztliche Abklärung wichtig. Bei Angst, Aggression oder Situationen, die du nicht sicher bewältigen kannst, hole dir individuelle Unterstützung. [4]
Dein erster Schritt: eine Situation auswählen
Du musst nicht den ganzen Alltag auf einmal lösen. Wähle zunächst eine Situation, die euch häufig beschäftigt, und beschreibe sie so genau wie möglich. Mein Beobachtungsvorschlag für die nächsten Tage: Notiere Ort, Ablenkung, dein Signal und die Reaktion deines Hundes. Halte auch fest, wann es gut funktioniert. Diese Notizen sind keine Diagnose, aber eine konkrete Grundlage für ein Beratungsgespräch.
Junghundetraining in Mödling, Guntramsdorf und Umgebung
Ich bin Martin Metzger, diplomierter systemischer Tiertrainer aus Guntramsdorf. In meiner individuellen Begleitung betrachten wir deinen Hund, eure Kommunikation und euren Alltag gemeinsam. Ich unterstütze Hundehalter im Raum Mödling, Baden, Wien und Wiener Neustadt sowie online, wenn das Anliegen dafür geeignet ist.
Informationen zu Analyse und individuellem Trainingsplan findest du hier: Hundetraining und Ablauf des Ersttermins
Schreib mir, wie alt dein Hund ist, in welcher Situation er nicht mehr reagiert und aus welchem Ort du kommst. Gemeinsam klären wir, welcher erste Schritt für euch passt.
Quellen und Einordnung
Die Hinweise sind allgemeine Orientierung und ersetzen keine individuelle Verhaltensanalyse. Der Beobachtungsvorschlag und die Beispiele sind praktische Anregungen, kein wissenschaftlich validierter Test.





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